01. h. auf Deutsch

 

BeiNspiel

eine visuelle Autobiographie meiner Zeit Bein über Kopf

 

 

ÜbeR miCh / übeR dIesEs spieL

 

„Manchmal kommt es mir vor, als ob ich als Psychohistoriker die Schizophrenie des Abendlandes aus dem Bildhaften in selbstbiografischem Reflex abzuleiten versuche.“

 Aby Warburg, Tagebuch, 3. April 1929, Gombrich, Aby Warburg : eine intellektuelle Biographe.

 

1992 habe ich angefangen, Bilder mit dem Fokus Beine zu sammeln. Entstanden ist eine Reihe zusammengetragener Ausschnitte aus dem Leben: Augenblicke, die ich auf der Straße, in Museen und im Fernseher aufgeschnappt und später mit Fundstücken aus dem Internet und den sozialen Netzwerken ergänzt habe. Am Anfang dieser Sammlung steht England, wo ich zwanzig Jahre lang gelebt habe. Ein fruchtbarer Boden für alles Sinnlose und Exzentrische. 

Und eine Intuition: das Bein – und dessen Fortsetzung (Fuß, Schuh, Stiefel, Stöckelschuh, Strumpf, Krücke, Stelze, usw.) – werde sich vom Objekt der Begierde zu einem selbständigen Subjekt wandeln.

Und siehe da: lange ignoriert – den Blicken zum Teil verborgen oder im Gegenteil, von wenigen lasziven Künstlern bewusst in Szene gesetzt – zeigt sich das Bein heute in all seinen Facetten: Bein unter dem Arm oder in der Hand… das Tanzbein schwingend, machen die Beine den Beinen Beine. 

Mit dieser Studie möchte ich meiner Zeit einen Spiegel vorhalten – zugegebenermaßen einen etwas verzerrten (wenn nicht sogar schrägen?) – in der sie sich vervielfältigt.

Diese Bildergeschichte erzählt sich in dreiundvierzig Skandierungen, visuellen „Blumentopfpferde“, die jeder auf seine eigene Art und Weise entschlüsselt.  

Jean-Hubert Martin hat im Mai 2016 diese Leseart seiner Bilder bei der Ausstellung „Carambolages“ im Grand Palais vorgegeben.

 

„Alles ist miteinander verflochten, und die Verbindung ist etwas Heiliges, und das eine ist dem anderen kaum fremd.“
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen 

 

Marie-Thérèse Weal oder mtwww wie weal/warburg/web

Traduction de Priska Moser. Merci.  

 

UnEndliche Geschichte (jeTzT isT es aN IhneN)